Zwei Weg Blog
Dienstag, 8. Oktober 2019
                Zehntes Kapitel   

Als Samuel geboren wurde, war sein vater bereits über alle berge, der hielt es nie lange an einem ort aus. Somit war seine mutter, Rose, auf sich selbst gestellt, denn ihre eltern waren streng glaeubig und wollten mit dieser schande nichts zu tun haben. Daher hielt ihr Rachel, ihre beste freundin, beide daumen als der neuankoemmling schreiend dem mutterleib entwich. So kam die junge familie fuers erste auch bei erwaehnter Rachel unter. Die hatte zwar nur eine kleine wohnung, half jedoch wo es nur ging. Zumindest so lange, bis die verblendeten eltern dann doch eine erleuchtung hatten und mutter & kind bei sich aufnahmen. Ebendort gab es ja ohnehin genug platz, hatte man doch eine grosze gaertnerei, die in spaeterer folge Roses juengerer bruder uebernehmen sollte und in der schluszendlich Samuel gleichfalls werken wuerde. Dazwischen lag aber eine jugend voller bloeder ideen, wobei jede dummheit es scheinbar wert war ausprobiert zu werden.

Er, Wolfgang und Frank gingen zwar auf die selbe schule, doch war Samuel in einer anderen klasse untergebracht. Die drei waeren gerne zusammen gewesen, doch wohl aus eigeninteresse war das institut dagegen. Es hiesz stets, dasz dies organisatorisch nicht moeglich sei. So sah man sich eben mitunter in den gaengen, dem schulhof und natuerlich in der freizeit. Wenn nicht gerade wer nachsitzen muszte. Einst wollte man sogar gemeinsam eine band aus der taufe heben, doch dies scheiterte klaeglich. Nur Samuel brachte wirklich brauchbare toene aus den instrumenten hervor. So lauschte das trio eben einfach miteinander musik aus der konserve und posierte dazu, bevorzugt mit falschen instrumenten, als waeren sie grosze stars. Desgleichen bot man einmal sogar bei einem schulfest dar und es war ein groszer erfolg. Okay, vielleicht kam damals nicht hundert-prozentig rueber, ob die meute mit ihnen oder ueber sie lachte, doch unterm strich zaehlte doch der spasz. Dumm war letztendlich nur, dasz Samuel nach dem auftritt von der buehne ins publikum hechtete und dabei die schulleiterin umrisz. Diese landete mit einer platzwunde im spital und war danach für keine entschuldigung mehr empfaenglich gewesen. Solche art der unterhaltung wurde fortan nicht mehr geboten – zumindest so lange die drei auf der schule waren.
Danach stieg Samuel eben bei seinem onkel ein und nahm Frank, der keine stelle finden konnte, mit. Wolfgang hingegen wollte unbedingt seinen eigenen weg gehen, arbeitete anfangs in einer baeckerei, danach angeblich als roadie – doch dafür gibt es keine andere bestaetigung - und schlieszlich bekannterweise im Veni Vidi Vinyl.

Genau dort hingen sie jetzt wieder mal ab, hoerten sich durch die aktuellen neuerscheinungen und gaben noten auf einer skala von 1 bis 10. Zusammengezaehlt und durch drei dividiert ergab es die wertung. Die rechenmaschine gluehte. Samuel notierte alles feinsaeuberlich, er plante naemlich ein fanzine in umlauf zu bringen. Ploetzlich hatte ihm die leidenschaft für das geschriebene wort gepackt, er wollte der tonkunst auf den grund gehen, denn oberflaechliches gekritzel darueber gaebe es genug, meinte er. Ueber eine kooperation mit Jimmy hatte er bereits gesprochen. Dieser war zwar anfangs skeptisch, stellte spaeter jedoch in aussicht, dasz er und vielleicht auch sein vertriebspartner inserate schalten wuerden, wenn sie dadurch die moeglichkeit haetten, acts aus dem repertoire vorzustellen. Das blatt sollte jedenfalls Garage Bible heiszen und alle drei jungs wollten inzwischen dafür beitraege verfassen, das fieber hatte sie nach & nach gepackt und schien sich weiter auszubreiten. Jimmy verlangte nunmehr das editoral plus eine kolumne fuer seine alten geschichten. Zusaetzlich brachte er noch einen seiner zockerfreunde ins spiel, welcher kuerzlich eine vergammelte druckpresse gewonnen hatte. Irgendwie entwickelte die sache bereits wieder eine beaengstigende dynamik. Trotzdem, sofern alles nach plan laufen wuerde, waere die praemieren-ausgabe in zwei bis drei wochen startklar.

Es war kein leichter weg, nicht alles lief in einklang, doch bald nach erscheinen war die kleine monats-auflage vergriffen. Im geschaeft aufgelegt und auf ausgewaehlten gigs an interessierte verteilt, wurde sie positiv aufgenommen. Die redaktion jubelte. Gut, war ja auch gratis, aber sie muszten sich vorerst mal eine leserschaft aufbauen. So hoffte man, dasz es zumindest ab dem naechsten jahr moeglich waere, etwas dafuer zu verlangen. Nach dem zweiten wurf kamen bereits erste anfragen bezueglich inserate und in folge gab es auch interesse an exemplaren von auszerhalb der stadtgrenze. Damit die auflage erhoeht werden koennte, braeuchte es jedoch etwas mehr kapital. Samuel hatte bereits mit seinem onkel über ein darlehen gesprochen, doch dieser wollte mit solchen hirngespinsten nichts zu tun haben. Jimmy versicherte im notfall die sache in die hand zu nehmen, doch das waere, da waren sich alle anderen einig, der allerletzte ausweg. Man wollte lieber zuwarten.

Das kleine, feine heftchen blieb ein (gratis-) renner. Jimmy war jedoch definitiv der meinung, dasz man bezueglich der auflage aufs gas steigen mueszte, es liesz ihm keine ruhe. Somit kam es wie es kommen muszte; Sie sollten sich nur keine sorge machen, er haette eine todsichere sache am laufen, null risiko, erstickte Jimmy jeglichen zweifel vorab.

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