Zwei Weg Blog
Dienstag, 20. August 2019

Drittes Kapitel

                  Drittes Kapitel   

Blieb aber nicht bei dem einen mal, wo eine vom eigentuemer des Veni Vidi Vinyl stores gezuendete karriere-rakete nach hinten losging. Scheinwerfer auf Sad Robert Miller, so hiesz oder nannte der sich, stand mitunter an allen moeglichen hausecken der stadt beziehungsweise trat gelegentlich in verpiszten kellerlokalen auf. Drosch in seine verstimmte gitarre und jammerte dazu seine selbstverfaszten verse. Damit war er auch Jimmy aufgefallen, der sich, nachdem er die frau plus band sowie gefuehlt eigentlich alles verloren hatte, immer noch nicht richtig erholt hatte. Miller´s traurige, sparsam arrangierte musik ware wie opium fuer den vom schicksal gepeinigten, er konnte gar nicht mehr genug davon bekommen. Fand die ganze welt sollte dieses geklage hoeren, diesen schmerz fuehlen. Daher tauchte er kuenftig immer wieder mal vor ort auf, wenn Robert musizierte. Mitunter auch mit freunden oder bekannten. Spendierte dem kuenstler fuer gewoehnlich einen drink oder zwei, sah in ihm einen leidensgenossen. Schluszendlich lud er den musiker ein, doch in seinem verbliebenen laden zu performen. Da wurden dann sogar erfrischungen gereicht, somit kam zusaetzliche kundschaft, die man sonst nicht sah. Darum wurde es wiederholt & wiederholt.

Um das ganze abzukuerzen, Jimmy kannte vom kartenspielen jemanden, der hatte ein kleines kellerstudio. Dieses war duerftig eingerichtet und paszte somit prima zu den arragements des Sad Robert Miller. An einem wochenende wurden dort, mit Jimmy als produzenten - da fuehrte naemlich kein weg daran vorbei, angeblich rekordverdaechtige 25 songs aufgenommen. 10 davon bildeten schluszendlich jenes portofilio, das an gut 20 verschiedene labels ausgeschickt wurde. 2 davon schrieben immerhin retour, dasz sie kein interesse haetten, der rest antwortete ueberhaupt nicht. Als die sache klar war, tobte Jimmy; Er habe Perlen an saeue verschickt, die ueberhaupt keine ahnunug haetten, welche lieder wirklich mitten ins herz gehen wuerden und welche blosz durchgemixte scheisze seien. Er erzaehlte allen davon, ob sie es hoeren wollten oder nicht. Andererseits war einigen klar, dasz sich der flop mit The Stiletto Heels wohl einfach herumgesprochen hatte. Alles was aus dieser ecke kam wurde nun scheinbar fallengelassen, wie eine heisze kartoffel.

Somit nahm der umtriebige jedoch gluecklose plattenladen-besitzer die sache selbst in die hand. Er gründete Bad Taste Records, liesz sich auf pump ein paar tausend exemplare des vorstellungs-tapes auf vinyl pressen, schickte einige davon an radio-djs oder die musikpresse und kaufte seinen kuenstler als vorprogramm in die tour einer aufstrebenden saengerin ein. Jimmy riskierte viel, er spuerte einfach das richtige blatt zu haben. Was nicht immer heiszt, man muesse auch gewinnen, denn Sad Robert kam von dieser konzertreise nie mehr zurueck. Wo er geblieben war weisz der teufel, den er mitunter gerne besang. Seine spur verlor sich kurz vor ende der 35-konzerte-tour. Er ging nach einem auftritt von der buehne und ward nicht mehr gesehen. Manche meinten er geriet in die faenge einer sekte wogegen andere wissen wollten, dasz er unter geaendertem namen eine neue karriere gestartet haette. Einige hingegen waren sich sicher, er haette ein leben abseits der musik gewaehlt. Aber leute die Jimmy kannten, vermuteten hinter vorgehaltener hand, es haette wieder mal mit seinen spielschulden zu tun gehabt. Fakt jedenfalls war, ein groszteil der alben von Sad Robert Miller landete auf einer muellhalde. Boese zungen behaupteten, dasz für diese entsorgung noch zusaetzlich geloehnt werden muszte. Dabei war das geld für die finanzierung des acts ohnehin von leuten geborgt worden, die bezueglich der rueckzahlung ziemlich pingelig waren. Abgesehen von nahezu allen zaehnen verlor Jimmy nun auch das verbliebene geschaeft und konnte sich noch gluecklich schaetzen, mit dem leben davongekommen zu sein. Andere aus diesen kreisen hatte es angeblich schon groeber erwischt.

Doch Jimmy war eben ein stehauf-maennchen. Er tauchte einige zeit unter und nach erfolgter genesung hatte er kurzfristig, mit von seiner betagten mutter geborgtem geld und der reaktivierten gluecks-unterhose, eine kurze gewinnstraehne. Dies verhalf ihm zu einer neuen platten-stube. Klein aber sein. Dieser spruch war passend, denn enger ging fast nicht mehr und so hiesz das ganze dann auch Recordbox - obwohl shoebox fast treffender gewesen waere. Er war in dieser situation jedenfalls wieder total in seinem element - oder war es blosz ueberlebensinstinkt, denn irgendwie setzte er bei den warenbestellungen fast immer auf die richtige auswahl. Viel spielraum gab es fuer ihn ohnehin nicht, fehlbestellungen konnte er sich damals nicht leisten. So hatte er zumeist die angesagte mucke im laden, oft vor den anderen. Dies sprach sich herum, zog kundschaft an und bald zog er in eine groeszere lokalitaet, fast gegenueber. Sein publikum ging dann gerne dort hin, es herrschte eine freundschaftliche atmosphaere und Jimmy hatte als draufgabe immer eine geschichte zu erzaehlen. Zumeist mit ihm in der hauptrolle, auch wenn nicht alles der wahrheit entsprach.

Bald darauf begann er nebenbei in einem tanzschuppen konzerte zu veranstalten. Er hatte ja den erwaehnt guten riecher für das sortiment entwickelt, somit bemuehte er den einen oder anderen act auch gleich zu einem auftritt. Sofern diese in der gegend unterwegs und erschwinglich waren. Damit veranstaltete er anfangs zwei bis drei shows pro monat, jedoch mit steigender tendenz. Ebendort, im wohl ironisch genannten Grande Ballroom, arbeitete Katarina als servierkraft. Die war huebsch, einerseits lustig & gesellig sowie um kernige sprueche nie verlegen, zog andererseits aber auch klare grenzen. Bloede anmache ging bei ihr ueberhaupt nicht, da war sie erbarmungslos, zog grapschern schon mal eine bierflasche über die ruebe, waehrend sie am nachbartisch noch die bestellung aufnahm. Denen verging dann schnell das schmierige grinsen. Genau Jimmy´s kragenweite, der war feuer & flamme für sie. Machte ihr bei jeder gelegenheit linkisch den hof, das war peinlich mitanzusehen, mitunter muszte man befuerchten, dasz sie einen seiner plumpen sprueche in die falsche kehle bekam. Doch, unglaublich aber wahr, schluszendlich hatte der alte loser erfolg und die beiden kamen sich naeher, wurden da & dort gemeinsam gesehen, waren schlieszlich ein paar. Jimmy war wieder gluecklich – fürs erste.

Katarina wanderte vom Grande Ballroom ins Recordbox und es dauerte nicht lange, bis sie dort das kommando uebernahm und ihren holden in die defensive draengte. Somit verlegte er sich bald mehrheitlich auf das veranstalten von konzerten. Bespielte nun auch andere buehnen der stadt und dies relativ erfolgreich. Irgendwie eine einfache rechnung, denn die vertreter der plattenfirmen, die ja im geschaeft zumeist mit ihren produkten vorstellig wurden, hatten mitunter den einen kuenstler oder die andere kuenstlerin, also meistens newcomers, welche sie vor publikum praesentieren oder abtesten wollten. Somit bot Jimmy eine ideale plattform, für die er mitunter extra abkassierte. Dieser zusaetzliche geschaeftszweig begann fruechte zu tragen. Daher begann er nun auch in anderen gegenden auftrittsflaechen zu buchen, um sogar kleine promo-tourneen organisieren zu koennen. Dem entsprang ein eigenes buero namens Live Promos, das im alten, ehemaligen Recordbox beheimatet war. Belegt mit zwei angestellten, die sich um die ablaeufe kuemmerten. Zusaetzlich arbeitete er vor ort noch mit dort ansaessigen leuten zusammen. Um den verkauf im laden kuemmerte er sich kaum mehr, denn dies bewerktstelligte ja seine gefaehrtin und die hatte laengst alles umgekrempelt plus eine ihrer freundinnen als hilfe angestellt. Da fuehlte er sich eher fehl am platz. Auch schien die anfaengliche begeisterung fuereinander etwas abgekuehlt zu sein, man hatte doch weniger gemeinsam als man dachte.

Mittwoch, 14. August 2019

Zweites Kapitel

                   Zweites Kapitel  

Dann war da noch Wolfgang, der arbeitete in einem plattenladen namens Veni Vidi Vinyl. Ein job, den Frank selbst gerne gehabt haette. Aber immerhin durfte er, an starken wochenenden oder wenn not am mann war, zumindest aushelfen. Insgeheim hoffte er immer auf eine fix-anstellung, war jedoch auch damit zufrieden, wie es lief, denn eine personalaufstockung stand ohnedies nicht zur debatte. Weil es gab ja noch Jimmy, den besitzer, der kuemmerte sich hauptsaechlich um den versand. Damit war die bude ohnehin fast ueberbesetzt. Letzterer war ein alter haudegen der branche, welcher bereits drei geschaefte in den ruin gefuehrt hatte. Strapazierte stets die nullrechnung wenn es um geld oder aehnliches ging. Unterm strich wuerde nichts bleiben, waere schlicht ein hobby, ein sparschwein ohne boden oder derlei sprueche klopfte er für gewoehnlich. In wahrheit verspielte er immer wieder beachtliche summen in hinterzimmern dubioser clubs. Die pechstraehne war sein staendiger begleiter. Wenn er zum spielen ging, dann wuszte Wolfgang nie, ob er am naechsten tag noch einen job haben wuerde. Hatte er wider erwarten mal gewonnen, haute er dermaszen auf den putz, dasz er doch wieder fast ohne kohle heimkam. Seine frau hatte ihm - nicht nur - deswegen laengst verlassen.
Das war vielleicht eine schoenheit gewesen, sang einst in einer band, die bestand nur aus musikerinnen, nannten sich The Stiletto Heels und waren zu viert. Basz, gitarre schlagzeug, gesang – mit gelegentlich zweitem sechs-saiter, wenn es voller rueberkommen sollte. Die machten keine gefangenen, diese ladies, spielten ihr ding kompromiszlos runter, durch die mitte, lieszen sich in keine rollenspiele draengen. Da standen die ganzen gaffer unbeweglich in der ersten reihe und holten sich geistig einen runter, wogegen all die maedels im publikum ihre role-models feierten. Jimmy verschaffte ihnen die auftritte und verkaufte, in seinen damals zwei geschaeften, die demo-tapes. Als draufgabe servierte er meist irgendeine fragwuerdige geschichte dazu, welche das interesse ankurbeln sollte. Weiters bekam jeder vertreter einer plattenfirma der vor ort vorstellig wurde, weil er etwas aus seinem repertoire verkaufen wollte, eine dieser kassetten mit auf den weg. Beigelegt war eine von ihm phantasievoll ausgeschmueckte kurz-bio der truppe. Schlieszlich bisz dann jemand an und das quartett wurde unter vertrag genommen.
Ein longplayer plus option auf einen weiteren wurde ausgehandelt und Jimmy liesz sich auch noch den produzenten-job absegnen. Dies war nicht allen in der formation recht, dadurch kam es bereits im vorfeld der aufnahmen des erstlings zu spannungen. Die einheit wies erste risse auf . Dazu kam, dasz in weiterer folge die dazugehoerende cover-gestaltung kein fettnaeppchen ausliesz. "Sex sells", dachten sich wohl die geldgeber und vor allem der umtriebige – quasi – manager. Als schluszendlich noch bei den credits, für etwaige tantiemen, scheinbar nicht alles rechtens aufgelistet war, gab es im zuge der veroeffentlichungs-party, die noch dazu in einem strip-club abgehalten wurde, unschoene worte sowie ein ordentliches handgemenge. Laut geruechten wurde einem vertreter des labels von einer der ladies die nase gebrochen. Die lokalitaet hatte übrigens Jimmy organisiert, weil er dort noch spielschulden hatte. Diese unpassenden szenen, neben den anderen ungereimtheiten, fuehrten schlußendlich zur aufloesung des vierers. Man konnte nicht mehr miteinander – innerhalb wie auszerhalb.
Die anstehende tournee wurde abgesagt, der deal annuliert. Somit null promotion für ein album, dasz es eigentlich gar nicht gab beziehungsweise welches eingestampft wurde. Jimmy blieb euphoriebedingt auf einer groeszeren summe sitzen und mußte eines seiner beiden geschaefte abstoszen. Da wurde dann so ein laden fuer erwachsenen-zeugs daraus gemacht. Spielzeug, magazine, buecher, photos, filme aber auch einschlaegige musik plus das eine oder andere hoerspiel. Die neuadaptierte huette wurde darauf groszmaeulig Player´s Paradise getauft. Wem faellt denn sowas ein? Angeblich hatten die noch zusaetzlich zwei kleine kabinen eingebaut. Wohl fuers trockentraining! Im hintergrund mischte natuerlich dieser nacht-club-bosz mit. Das war so ein zwielichtiger typ, der scheinbar immer denselben speckigen anzug trug. Jedenfalls konnte sich der gerupfte Jimmy als trostpflaster zwei kartons dieses nun-doch-nicht debuets von The Stiletto Heels sichern, wovon er in weiterer folge immer wieder, wenn er knapp bei kasse war, ein letztes promo-exemplar ueber dubiose kanaele abstiesz. Auch das reservoir an demo-tapes schien scheinbar unerschoepflich. Mittlerweile hatte der eigentliche longplayer naemlich einen beachtlichen wert, galt als verlorene perle, weil er nie wieder aufgelegt wurde. Das damalige label ging inzwischen bankrott, die rechte an einer neuerlichen vervielfaeltigung waren nicht ganz klar und die protagonistinnen in alle winde zerstreut. Niemand der besetzung wohnte mehr in der stadt, man wuszte nicht mal, ob ueberhaupt noch alle am leben waren. Spaetere semester bezweifelten mitunter, dasz es besagten vierer je gegeben hatte. Hielten das ganze für ein maerchen, einen stunt, mit dem man legenden zuechtet beziehungsweise nachfolgende acts verkaufen wolle. Die unterschiedliche auslegung der entstehungs-historie durch den selbsternannten nachlasz-verwalter befeuerte dies nur.

Montag, 5. August 2019

Erstes Kapitel

Hier wird nun im wochen-rhythmus eine kleine geschichte in bescheidenen 11 kapiteln erzaehlt. Diese ist jedoch schlicht & einfach erstunken & erlogen. Rein gar nichts entspricht der wahrheit. Personen, orte als auch die handlung sind frei erfunden. Etwaige aehnlichkeiten mit begebenheiten beziehungsweise lebenden oder bereits verstorbenen personen waere definitiv an den haaren herbeigezogen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um science fiction sondern retro fiction. Aber am besten selbst ein bild davon machen.

                         Erstes Kapitel  

Sie stand ganz vorne und trommelte mit den faeusten rhythmisch auf die buehnenbretter. Schuettelte dazu ihre wilde, ungezaehmte, blonde maehne als haette sich darin ein wespenschwarm eingenistet. Ihr knappes band-shirt klebte fast am koerper. Irgendwie muszte man fuerchten, sie wuerde jeden moment die buehne stuermen. Die war rock `n roll durch & durch. Hatte auch noch eine freundin im schlepptau, welche aber eher von der ruhigeren sorte war, fast unscheinbar, klatsche nur verhalten mit und traf dabei kaum den takt. Sah jedoch gleichfalls nicht uebel aus, wenn man genauer hinsah. Interessierte sich aber mehr für die musiker selbst als deren sound, das ganze drumherum oder sonst irgendjemanden. Jedenfalls war es bereits die dritte zugabe jener neuen, angesagten band, welche gerade ihr debuet-album betourte und daher noch in solch kleinen, vor der renovierung oder auch dem zusperren - wie man es sah - stehenden schuppen auftrat, die dann vorab prompt ausverkauft waren. Die meute stand foermlich kopf – bis auf Frank, der lehnte seitwaerts an der wand, wollte abgebrueht wirken, als haette er bereits saemtliche acts kommen & gehen sehen. Er war gleichfalls nicht alleine gekommen, Samuel hatte ihn begleitet, sein alter kumpel, der jedoch weiter vorne abtanzte und dabei allen auf die zehen trat. Als wollte er die show sabotieren. Aber Frank hatte ohnehin nur mehr augen für dieses weibliche energiebuendel, die ging ab wie die feuerwehr bei einem groszbrand. Er muszte nach dem ende unbedingt mit ihr ins gespraech kommen, auch wenn ihm noch nicht klar war worueber. Doch irgendetwas wuerde ihm schon einfallen, wenn es soweit war. Zur not muszte eben das wetter als thema herhalten, das spielte in letzter zeit ohnehin verrueckt. Die vier musiker traten nun endgueltig ab, warfen noch irgendwelchen krimskrams in die sich darum fast pruegelnde menge, um anschlieszend hinter dem vorhang zu verschwinden. Jetzt aber los!

Das gedraenge war animalisch, verschiedene dampfende koerper waelzten sich zu den ausgaengen, doch Frank draengte in die andere richtung. Das war nicht einfach. Als er fast am ziel war, knapp hinter dieser blondine, trat ploetzlich ein roadie auf sie und ihre freundin zu und haengte einer jeden einen backstage-pass um den hals. Alle drei zusammen steuerten daraufhin die absperrung an. Was sollte er jetzt machen, da lief wieder mal alles gegen ihn. Als er endlich aufgeschlossen hattte, versperrten ihm zwei bullige securities den weg, winkten ihm weg. Dahin war sie, nicht mehr zu sehen. Die wuerde nun wohl hinter der buehne ihr t-shirt zum trocknen aufhaengen - oder wie, aergerte er sich innerlich. Verdammte scheisze, schosz es ihm in den kopf, der abend war gelaufen, er machte kehrt. Haette er sich schon vor dem ende an ihre seite gedraengt, waere das ganze moeglicherweise anders verlaufen. Andererseits, wohl kaum anzunehmen, sie haette seine gesellschaft jener der protagonisten vorgezogen. Doch eventuell waere er an ihre telefonnummer gekommen..... oder briefadresse......., denn die band wuerde spaetestens morgen wieder weiterreisen, doch er auch uebermorgen noch hier abhaengen. Wo sollte er denn schon grosz hin? Man haette sich wiedersehen koennen, bei irgendeinem konzert oder so. Sinnlos nun spekulationen anzustellen, der zug ist abgefahren, vor dem schuppen wartete dann auch schon Samuel und hob fragend die haende. In jeder davon hatte er eine flasche bier, beide bereits zur haelfte geleert. Der junge war ein wandelndes raetsel. Er haette noch auf die toilette muessen, jedoch hatten viele andere gleichzeitig dieses beduerfnis, log Frank. Auf bloede kommentare oder gar besserwisserei konnte er jetzt dankend verzichten. Vor allem von einem, der selbst nicht grosz etwas auf die reihe bekam.
Aber es war ohnehin bereits spaet, somit spuelten sie noch schnell das verbliebene gebraeu runter, denn beide muszten morgen wieder frueh raus. Sie waren kollegen in einer gaertnerei. Samuel, dessen onkel der eigentuemer war, hatte ja einen gruenen daumen, der brachte alles zum wachsen, doch Frank war generell anders, sein gebiet war die unkrautvernichtung. Das ist natuerlich eine ganz andere herangehensweise. Aber egal und ja, es gab definitiv bessere berufe, doch dies war eben zu bekommen gewesen oder besser gesagt; Sein kumpel brachte ihm dort unter, legte ein gutes wort ein. Wie auch immer, das leben begann ohnehin erst nach dienstschlusz und irgendwie muszte man die freizeit eben finanzieren. Diese war bei Frank dem rock & roll geweiht – im passiven sinne. Traf selbst keinen beschissenen ton, war jedoch staendig hinter dem naechsten groszen ding her. Via zeitschriften, schallplatten, konzerten. Ohne aussicht auf profit. Im gegenteil, er investierte jede menge kohle in seine leidenschaft. Solche typen muszte es natuerlich auch geben, denn wenn alle auf der buehne stehen wuerden, wer waere dann davor? Eine altbekannte weisheit. Dies unheilbare rock & roll fieber hatte ihn, im wahrsten sinne des wortes, bereits zu kindheitstagen gepackt. Da standen daheim einst so tierfiguren mit ihren instrumenten in einem glasschrank. Ein affe spielte schlagzeug, der hund gitarre, ein kaefer piano und der flamingo stand auf einem bein am mikrophon. Als Frank in ganz jungen jahren mal extrem erhoehte temparatur hatte, da fing diese combo ploetzlich zu spielen an, wie wild. Das klang einfach super und immer wieder deuteten sie in seine richtung, er moege doch miteinsteigen. Das haette er gerne gemacht, doch er war einfach viel zu schwach um aufzustehen und so schlief er ein. Am naechsten tag und ueberhaupt, die ruehrten sich nie wieder, keinen deut. Mitunter sasz er stundenlang davor. Das war einfach nicht fair und geglaubt hatte ihm damals natuerlich niemand.

Samuel wiederum konnte, nach kurzem kennenlernen, praktisch jedes instrument bedienen. War einfach ein naturtalent, doch zu faul zum ueben. Spielte etwas daran rum und legte es dann wieder ab. Pflanzen waren naemlich sein ding. Nicht dasz er jetzt null interesse an musik hatte, doch nicht in diesem ausmasz, für ihm war es weder berufung noch ziel, sondern einfach spasz. Moeglicherweise lag dies daran, dasz er als kleiner junge klavier lernen muszte – um jeden preis, familientradition und so. Hatte die begabung dazu, es fiel ihm leicht, er spielte damals gut, aber wie gesagt – kein wirkliches interesse. Samuel brauchte auf keiner buehne zu stehen, er stand lieber im blumenbeet oder an irgendeiner bar und liesz den tag gemuetlich ausklingen. Haette Frank musikalisch nur halb so viel drauf, stuende er laengst im beiszenden scheinwerferlicht und die maedels wuerden reihenweise in ohmacht fallen - oder zumindest von weinkraempfen gebeutelt werden.

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